Evasive Hyundai Ioniq 5 N: Elektro-Tracktool für Pikes Peak

Elektroauto und Tracktool schließen sich längst nicht mehr grundsätzlich aus. Ein ziemlich extremes Beispiel dafür liefert Evasive Motorsports mit seinem Hyundai Ioniq 5 N für den Pikes Peak International Hill Climb.

Interessant ist dabei weniger die reine Leistung als das Gesamtkonzept. Denn am serienmäßigen Dual-Motor-Antrieb hat Evasive vergleichsweise wenig verändert. Stattdessen konzentrierte sich das Team auf genau die Bereiche, die bei einem über zwei Tonnen schweren Elektroauto besonders viel Potenzial bieten: Gewicht, Fahrwerk, Aerodynamik und Reifen.

Das Projekt startete für das Rennen im Jahr 2025 und holte dort auf Anhieb den Sieg in der Exhibition Division. 2026 sollte der nächste Schritt folgen – diesmal über die komplette Strecke und möglichst unter zehn Minuten. Ein technischer Zwischenfall im Training verhinderte jedoch den Start.

Serienmäßige 650 PS müssen reichen

Beim Antrieb verzichtete Evasive auf eine große Leistungskur. Der Ioniq 5 N verfügt weiterhin über seinen seriennahen Dual-Motor-Antrieb mit Allradantrieb.

Mit aktiviertem N Grin Boost stehen maximal 478 kW beziehungsweise 650 PS und rund 770 Nm zur Verfügung. Für ein Auto dieser Leistungsklasse ist das ohnehin mehr als ausreichend – zumindest wenn es gelingt, die Masse in den Griff zu bekommen.

Und genau dort setzte Evasive an.

Der serienmäßige Ioniq 5 N wiegt rund 2,2 Tonnen. Innen flog deshalb praktisch alles raus, was am Berg nicht gebraucht wird. Über EVS Tuning entstanden zusätzlich leichte Carbon-Komponenten, darunter Türen und Heckklappe.

Unterm Strich reduzierte Evasive das Gewicht um rund 500 Pfund, beziehungsweise 227 Kilogramm. Damit dürfte der Pikes-Peak-Ioniq grob unter der Zwei-Tonnen-Marke liegen – immer noch viel für ein Wettbewerbsfahrzeug, aber bereits eine erhebliche Verbesserung gegenüber der Serie.

Voltex-Aero statt Optik-Tuning

Beim Aero-Paket ging Evasive deutlich weiter. Verantwortlich dafür war die Firma Voltex.

Weil für den Ioniq 5 N zum Zeitpunkt des Aufbaus kaum geeignete Motorsport-Aerodynamik verfügbar war, wurde die Karosserie zunächst komplett per 3D-Scan erfasst. Auf dieser Grundlage entwickelte Voltex das Aero-Paket speziell für das Fahrzeug.

Dazu gehören ein weit herausgezogener Frontsplitter, Seitenschweller, verbreiterte Kotflügel, Unterbodenkomponenten und der kaum zu übersehende Heckflügel.

Für den Einsatz 2026 wurde das Paket noch einmal weiterentwickelt. Unter anderem überarbeitete Voltex den Frontsplitter.

Beim Pikes Peak-Rennen spielt das Aero-Konzept eine besondere Rolle. Start und Ziel liegen auf völlig unterschiedlichen Höhen, gleichzeitig nimmt die Luftdichte auf dem Weg zum Gipfel massiv ab. Entsprechend verändert sich auch die Wirksamkeit der Aerodynamik während eines einzigen Runs.

Moton-Fahrwerk speziell für den Berg

Beim Fahrwerk setzt Evasive auf Moton Remote Reservoir Coilovers. Die Abstimmung entstand zusammen mit Mike Kojima von MotoIQ. Ergänzt wird das Setup durch Prototyp-Stabilisatoren von EVS Tuning an Vorder- und Hinterachse.

Für 2026 wurde das Fahrwerk nochmals deutlich überarbeitet. Evasive änderte unter anderem Dämpferkennlinien, Federraten und Befestigungspunkte. An der Hinterachse kamen zudem Dämpfer mit größerem Federweg zum Einsatz.

Das ist bei einem Auto dieser Gewichtsklasse entscheidend. Die Aufgabe besteht schließlich nicht nur darin, möglichst viel mechanischen Grip zu erzeugen, sondern gleichzeitig die Bewegungen der schweren Karosserie und die Belastung der Reifen unter Kontrolle zu halten.

310er Slicks auf 11×19 Zoll

Evasive fährt geschmiedete Titan 7 T-P10 in 11×19 Zoll mit Yokohama ADVAN A005 Slicks im Format 310/690 VR19.

Zusätzlich tragen die Räder Carbon-Aero-Discs von EVS Tuning.

Die Bremsanlage wurde unter anderem mit speziellen CSG-Belägen und Endless-Bremsflüssigkeit für den Renneinsatz vorbereitet. Dazu kommen ein Sparco QRT-C Carbon-Sitz, ein speziell angefertigter Sechspunkt-Käfig von Eimer Engineering und Krontec Air Jacks.

Unterm Strich ist der Ioniq damit kein leicht modifiziertes Serienauto mehr. Der Aufbau entspricht eher einem konsequent entwickelten Time-Attack- beziehungsweise Bergrennfahrzeug, das lediglich seinen seriennahen Elektroantrieb beibehalten hat.

Rob Walker fährt den Ioniq

Am Steuer sitzt Robert „Rob“ Walker. Die Verbindung zwischen Walker und Evasive besteht bereits seit Jahren. Zwischen 2013 und 2016 startete er für das Team unter anderem mit Scion FR-S und Toyota 86 am Pikes Peak.

Für das Ioniq-Projekt brachte Walker zudem eigene Erfahrung mit dem Fahrzeug mit. Er kaufte selbst einen Ioniq 5 N und nutzte ihn für Tests verschiedener Fahrwerks-, Reifen- und Bremsen-Setups.

Unter anderem wurde auf dem Buttonwillow Raceway getestet. Ergänzend bereitete sich Walker intensiv im Simulator auf die 156 Kurven des Pikes Peak vor.

4:23,858 Minuten und Klassensieg 2025

Beim Pikes Peak International Hill Climb 2025 funktionierte das Konzept.

Allerdings lässt sich die gefahrene Zeit nicht mit einem normalen Pikes-Peak-Ergebnis vergleichen. Wegen extremer Windverhältnisse am Gipfel wurde das Rennen verkürzt. Windböen von mehr als 130 km/h sorgten dafür, dass die Wertung bereits in Glen Cove auf einer Höhe von rund 3.500 Meter endete.

Walker benötigte mit dem Evasive Ioniq 5 N für diese verkürzte Strecke 4:23,858 Minuten.

Das reichte zum Sieg in der Exhibition Division. Im Gesamtklassement landeten Walker und der Hyundai auf Position 15 von 73 Teilnehmern (Siehe Videos unten).

Damit hatte Evasive beim ersten Einsatz zwar den Klassensieg, aber noch keine Antwort auf die eigentlich spannendere Frage: Was schafft das Auto über die komplette Pikes-Peak-Distanz?

Weitere Themen:

2026 sollte es unter zehn Minuten gehen

Genau das wollte das Team 2026 herausfinden.

Nach den Erfahrungen aus dem Vorjahr wurde der Ioniq weiterentwickelt, wobei der Schwerpunkt vor allem auf Fahrwerk und Aerodynamik lag. An Batterie und Dual-Motor-Antrieb hielt Evasive dagegen weiterhin fest.

Das erklärte Ziel war eine Zeit von unter zehn Minuten über die komplette Strecke.

Zum Vergleich: Die vollständige Strecke des Pikes Peak International Hill Climb misst knapp 20 Kilometer, umfasst 156 Kurven und endet auf 4.302 Metern Höhe.

Ob der knapp zwei Tonnen schwere Hyundai tatsächlich eine 9er-Zeit geschafft hätte, werden wir vorerst nicht erfahren.

Während des Trainings 2026 wurde das Fahrzeug beschädigt. Der Schaden ließ sich nicht rechtzeitig für den Rennsonntag beheben, sodass Walker nicht starten konnte.

Der geplante direkte Vergleich mit der Uhr über die komplette Strecke fiel damit aus.

Gerade der serienmäßige Antrieb macht das Projekt interessant

Für Tracktool-Fans ist am Evasive-Ioniq weniger interessant, dass ein Elektroauto am Pikes Peak schnell fahren kann. Das haben wesentlich extremere Elektro-Prototypen längst bewiesen.

Spannender ist, wie nah der eigentliche Antriebsstrang noch am Serienfahrzeug liegt.

Evasive hat keinen speziellen Hochleistungsmotor eingebaut und auch kein komplett neues Batteriepaket entwickelt. Stattdessen wurde versucht, das vorhandene Paket durch klassische Motorsportentwicklung schneller zu machen.

227 Kilogramm weniger Gewicht, 310er Slicks, ein speziell abgestimmtes Moton-Fahrwerk und eine komplett neu entwickelte Voltex-Aerodynamik verändern den Charakter des Ioniq 5 N dabei wesentlich stärker als ein paar zusätzliche Kilowatt.

Genau das macht den Evasive Hyundai Ioniq 5 N für uns interessant: Es ist kein Elektro-Prototyp, der zufällig eine Hyundai-Karosserie trägt, sondern die konsequente Weiterentwicklung eines ohnehin sehr schnellen Serien-Elektroautos zum echten Tracktool.

Technische Daten

Fahrwerk / Chassis:
Moton Gewindefahrwerk mit externen Ausgleichsbehältern, Prototyp-Stabilisatoren von EVS Tuning an Vorder- und Hinterachse, Eimer Engineering Sechspunkt-Überrollkäfig nach PPIHC-Spezifikation, Krontec Air Jacks

Bremsen:
CSG Spec Bremsbeläge, Endless Bremsflüssigkeit

Räder / Reifen:
Titan 7 T-P10 Schmiederäder in 11 × 19 Zoll mit Carbon-Aero-Discs von EVS Tuning, Yokohama ADVAN A005 Rennslicks in 310/690 VR19

Aerodynamik:
Voltex Racing Pikes-Peak-Frontlippe, Frontsplitter aus Carbon, Seitenschweller, Kotflügelverbreiterungen, Unterbodenverkleidungen und Heckflügel aus Carbon, Carbon-Türen und Carbon-Heckklappe von EVS Tuning

Innenraum / Sicherheit:
Sparco QRT-C Carbonsitz

Galerie

Videos

Quelle: Evasive Motorsports