Ferrari 296 GT Modificata: Tracktool ohne Reglement

Ferrari erweitert sein Angebot für besonders ambitionierte Trackday-Fahrer um den 296 GT Modificata. Das ausschließlich für die Rennstrecke entwickelte Sondermodell kombiniert Technik des 296 GT3 Evo mit einem 730 PS starken V6-Motor, einer überarbeiteten Aerodynamik und einem zweisitzigen Cockpit. In Fiorano soll der Modificata drei Sekunden schneller sein als der regulierte GT3-Rennwagen.

Ferrari hat im Rahmen der Ferrari Racing Days in Budapest den neuen 296 GT Modificata vorgestellt. Das in einer nicht näher genannten, sehr kleinen Stückzahl produzierte Modell darf ausschließlich auf abgesperrten Rennstrecken bewegt werden und richtet sich an Kunden des Ferrari-Programms Club Competizioni GT.

Technische Grundlage ist der 296 GT3 Evo, der zu Beginn der Motorsportsaison 2026 sein Debüt gab. Anders als ein homologierter Rennwagen muss der Modificata jedoch weder ein technisches Reglement noch die Vorgaben einer Balance of Performance erfüllen. Ferrari kann Motorleistung, Aerodynamik und Fahrzeugabstimmung daher ohne Rücksicht auf eine bestimmte Rennklasse auslegen.

Das Ergebnis soll deutlich schneller sein als die Wettbewerbsversion: Auf Ferraris eigener Teststrecke in Fiorano besitzt der 296 GT Modificata nach Angaben des Herstellers das Potenzial, den 296 GT3 Evo um drei Sekunden pro Runde zu unterbieten.

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V6-Biturbo leistet 730 PS

Im Heck des Trackday-Modells arbeitet ein 2.992 Kubikzentimeter großer V6-Biturbo. Der Zylinderbankwinkel beträgt 120 Grad. Die grundlegende Architektur stammt vom Motor des 296 GT3 Evo, zahlreiche Bauteile wurden für den Einsatz im Modificata jedoch angepasst.

Die Ferrari-Ingenieure überarbeiteten unter anderem den Kurbeltrieb, die Nockenwellen, die Ansaugung, die Ladeluftkühler und die Turbolader. Die äußere Geometrie der Turbolader entspricht den Komponenten des GT3 Evo. Im Inneren kommen hingegen speziell für den Modificata entwickelte Bauteile zum Einsatz.

Erkenntnisse aus dem 499P Modificata flossen ebenfalls in die Entwicklung ein. Dieses Modell basiert auf dem Le-Mans-Hypercar 499P und wurde wie der 296 GT Modificata für nicht wettbewerbsorientierte Rennstreckeneinsätze zahlungskräftiger Privatfahrer entwickelt.

Um die größere benötigte Kraftstoffmenge bereitzustellen, erhielt der 296 GT Modificata ein angepasstes Kraftstoffsystem mit einer zusätzlichen Niederdruckpumpe. Auch die Abgasanlage samt Endrohren wurde neu entwickelt.

Der Motor erreicht bei 7.500 Umdrehungen pro Minute eine Leistung von 730 PS. Das sind 130 PS mehr als beim 296 GT3 Evo, dessen Leistung aufgrund der Balance-of-Performance-Einstufung begrenzt wird. Mit 244 PS pro Liter Hubraum erzielt das Aggregat eine für einen Verbrennungsmotor außergewöhnlich hohe Literleistung.

Angaben zum maximalen Drehmoment, zur Beschleunigung und zur Höchstgeschwindigkeit macht Ferrari bislang nicht.

Sequentielles Sechsganggetriebe mit Carbonkupplung

Die Kraftübertragung übernimmt ein sequenzielles Sechsganggetriebe. Ferrari passte dessen Übersetzungen an das veränderte Drehzahlband des stärkeren Motors an. Dadurch soll sich die zusätzliche Leistung auf der Rennstrecke besser nutzen lassen.

Eine Carbonkupplung gehört zur Serienausstattung. Da das Fahrzeug ausschließlich bei nicht wettbewerbsorientierten Rennstreckenveranstaltungen eingesetzt wird, musste Ferrari auch die Getriebeabstimmung nicht an ein bestimmtes Reglement anpassen.

Wie bereits der 296 GT3 und der GT3 Evo verzichtet der Modificata auf den Hybridantrieb des straßenzugelassenen Ferrari 296 GTB. Der V6-Biturbo treibt allein die Hinterräder an.

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Neue Aerodynamik an Front und Heck

Ferrari überarbeitete die Aerodynamik vor allem an der Frontpartie und am Heck. Der neue sogenannte Slotted Splitter soll die Luftströmung am Unterboden verbessern und den Abtrieb erhöhen.

Die zusätzliche Motorleistung stellt außerdem höhere Anforderungen an das Kühlsystem. Deshalb besitzt die Fronthaube eine vergrößerte zentrale Öffnung. Ein spezielles Luftleitelement führt die aus dem mittleren Kühler austretende Warmluft so ab, dass sie die seitlich angeordneten Ladeluftkühler möglichst wenig beeinflusst.

Auch die Entlüftungsöffnung am unteren Rand der Windschutzscheibe wurde verändert. Sie soll die beim Rennstreckenbetrieb entstehende Wärme unter der Fronthaube effizienter ableiten.

Vollständig neu gestaltet wurde der Heckflügel. Er besitzt einen neuen zentralen Träger, eine fünf Millimeter hohe Gurney-Kante und seitliche Endplatten, die sich am 499P orientieren. Die Endplatten übernehmen nicht nur eine tragende Funktion, sondern kontrollieren auch die am Heckflügel entstehenden Luftwirbel. Gleichzeitig wurde die aerodynamische Balance an die höhere Leistung und den gesteigerten Abtrieb angepasst.

Größere Stahlbremsen mit verbesserter Kühlung

Die Bremsanlage basiert auf der Technik des 296 GT3 Evo und des 296 GT3 Biposto. An der Vorderachse setzt Ferrari neue Stahlscheiben mit einer leistungsfähigeren Belüftung ein.

Eine zusätzliche Öffnung im unteren Bereich des vorderen Stoßfängers führt mehr Kühlluft zur Bremsanlage. Gleichzeitig wurden die Luftkanäle neu ausgelegt, um die Strömung möglichst effizient zu den thermisch besonders belasteten Bauteilen zu leiten.

Die Maßnahmen sollen auch während längerer Stints für eine konstante Bremsleistung sorgen und den Verschleiß reduzieren. Gerade auf Strecken mit vielen starken Verzögerungen soll der Fahrer dadurch länger auf ein gleichbleibendes Pedalgefühl vertrauen können.

Wie der GT3-Rennwagen besitzt auch der Modificata ein Antiblockiersystem. Dessen Abstimmung soll das Fahrzeug für Fahrer mit unterschiedlichen Erfahrungsständen beherrschbar machen. Ferrari möchte damit nicht nur Profis, sondern auch ambitionierten Amateurfahrern ermöglichen, sich schrittweise an das Leistungsvermögen des Autos heranzutasten.

Zwei Sitze für Fahrer und Instruktor

Anders als viele kompromisslose Kundenrennwagen ist der Ferrari 296 GT Modificata als Zweisitzer ausgelegt. Änderungen am Überrollbügel schufen den notwendigen Raum für einen zweiten Sitz.

Dadurch kann ein Instruktor während der Fahrt im Fahrzeug Platz nehmen und dem Fahrer unmittelbar Hinweise geben. Die Rückmeldungen müssen somit nicht ausschließlich nach einer Session anhand von Video- und Telemetriedaten erfolgen.

Der Beifahrer verfügt über eine eigene Fußstütze. Über eine integrierte Gegensprechanlage können Fahrer und Passagier trotz Helm und hoher Geräuschkulisse miteinander kommunizieren. Alternativ lässt sich der zweite Sitz nutzen, um einem Gast das Fahrerlebnis auf der Rennstrecke zu vermitteln.

Umfangreiche Datenaufzeichnung serienmäßig

Der 296 GT Modificata wird bereits ab Werk mit zahlreichen Komponenten ausgestattet, die beim 296 GT3 Evo teilweise nur optional erhältlich sind.

Zum serienmäßigen Datenaufzeichnungssystem gehören zusätzliche Sensoren. Pitotrohre messen die Geschwindigkeit der anströmenden Luft, Potenziometer zeichnen die Bewegungen der Stoßdämpfer auf und Temperatursensoren überwachen die Bremsanlage.

Mit der VideoBox Premium lassen sich die gefahrenen Sessions aufzeichnen. Fahrer und Instruktor können die Aufnahmen anschließend gemeinsam auswerten und mit den Telemetriedaten abgleichen. Eine erweiterte Rückfahrkamera und ein IRTPMS-System zur Kontrolle von Reifendruck und Reifentemperatur gehören ebenfalls zum Ausstattungsumfang.

Professionelle Rennsportgurte und ein zusätzliches Gebläse für eine verbesserte Belüftung des Innenraums sind ebenfalls serienmäßig installiert.

Radar warnt vor schnelleren Fahrzeugen

Trotz der umfangreichen Grundausstattung bietet Ferrari weitere Optionen an. Dazu zählt ein nach hinten gerichtetes Radarsystem. Es erkennt Fahrzeuge, die sich mit höherer Geschwindigkeit nähern, und warnt den Fahrer.

Eine solche Funktion kann insbesondere bei Trackdays hilfreich sein, wenn Autos mit unterschiedlichen Leistungsniveaus und Fahrer mit verschieden großer Erfahrung gleichzeitig auf der Strecke unterwegs sind.

Auch die Lackierung lässt sich individualisieren. Kunden können für die Gestaltung ihres Fahrzeugs auf das Farbangebot des Ferrari Design Studios zurückgreifen.

Nachfolger des Ferrari 488 GT Modificata

Mit dem 296 GT Modificata setzt Ferrari ein Konzept fort, das 2020 mit dem 488 GT Modificata eingeführt wurde. Dieser verband technische Lösungen aus den Rennwagen 488 GT3 und 488 GTE, ohne an die Regularien einer bestimmten Klasse gebunden zu sein.

Im Jahr 2023 folgte der 499P Modificata. Das Kundenfahrzeug entstand auf Basis des 499P, mit dem Ferrari von 2023 bis 2025 dreimal in Folge die 24 Stunden von Le Mans gewann. Der 499P Modificata bildete zugleich die Grundlage für das Programm Sport Prototipi Clienti.

Die Bezeichnung „Modificata“ verwendet Ferrari allerdings bereits deutlich länger. Als erstes entsprechendes Modell gilt der 1970 vorgestellte 512 M. Die Weiterentwicklung des 512 S erhielt einen leichteren und stärkeren V12-Motor mit 610 PS, neue Zylinderköpfe mit vier Ventilen pro Zylinder sowie eine aerodynamisch optimierte Karosserie.

Später verwendete Ferrari das „M“ auch für Straßensportwagen. Beispiele dafür sind der F512 M von 1994, der 456M GT aus dem Jahr 1998, der 575M Maranello von 2002 und der 2020 präsentierte Portofino M.

Teilnahme am Club Competizioni GT enthalten

Der Ferrari 296 GT Modificata ist für Veranstaltungen des Club Competizioni GT vorgesehen. Dieses Kundenprogramm ermöglicht Besitzern ausgewählter Ferrari-Rennwagen, ihre Fahrzeuge ohne unmittelbaren Wettbewerbsdruck auf internationalen Rennstrecken zu bewegen.

Im Kauf des Fahrzeugs ist die Teilnahme an dem Programm für zwei Jahre beziehungsweise zwölf Veranstaltungen enthalten. Angaben zum Preis des Autos macht Ferrari in der Pressemeldung nicht. Auch die genaue Stückzahl bleibt offen.

Für die Saison 2027 plant Ferrari sieben Club-Competizioni-GT-Veranstaltungen. Gefahren wird in Jerez de la Frontera, Misano, Fuji, Indianapolis, Le Castellet auf dem Circuit Paul Ricard und Spa-Francorchamps. Den Abschluss bilden die Finali Mondiali Ferrari, deren Austragungsort und Termin noch bekannt gegeben werden.

Technische Daten: Ferrari 296 GT Modificata

  • Fahrzeugtyp: zweisitziges Trackday-Modell
  • Straßenzulassung: nein
  • Motor: 2.992 cm³ großer V6-Biturbo
  • Zylinderwinkel: 120 Grad
  • Einbauposition: längs vor der Hinterachse
  • Leistung: 537 kW/730 PS bei 7.500 U/min
  • Literleistung: 244 PS/l
  • Antrieb: Hinterradantrieb
  • Getriebe: sequenzielles Sechsganggetriebe
  • Kupplung: Carbonkupplung
  • Bremsen: innenbelüftete Stahlscheiben
  • Cockpit: zwei Sitze mit integrierter Gegensprechanlage
  • Rennstreckenzeit: laut Ferrari drei Sekunden schneller in Fiorano als der 296 GT3 Evo
  • Produktion: streng limitierte Stückzahl
  • Preis: noch nicht genannt
  • Einsatzbereich: Club Competizioni GT und nicht wettbewerbsorientierte Trackdays