Ist das noch ein Restomod? Hmmm …. eigentlich nicht. Ok, der GXR-EVO von Gunther Werks basiert auf einem Porsche 911 993, doch streng genommen ist er mehr reinrassiges Tracktool, denn schniekes Restomod.
Seine Premiere feierte der GXR-EVO während der Monterey Car Week. Dort hätte er zwar problemlos als besonders radikal umgebauter 993 durchgehen können, ein genauer Blick auf die Technik zeigt allerdings schnell, dass Gunther Werks deutlich weiter gegangen ist.
Denn hier wurde nicht einfach ein alter Porsche restauriert, mit mehr Leistung versehen und anschließend mit Carbon dekoriert. Vielmehr haben die Kalifornier einen 993 im ersten Schritt konsequent für maximale Performance umgebaut – und offenbar erst im 2. Schritt überlegt, wie sich das Ergebnis noch irgendwie auf die Straße bringen lässt.
Ein 993, bei dem die Aerodynamik das Kommando übernimmt
Schon äußerlich ist klar, wo der GXR-EVO am liebsten bewegt werden möchte. Statt der vergleichsweise schlichten Linien eines serienmäßigen 993 trägt der Gunther Werks ein Aerodynamikpaket, das auf der NOS wesentlich weniger deplatziert wirken würde als vor dem Lieblingscafé.
Große Teile der Karosserie bestehen aus Carbon. An der Front sorgen ein weit nach vorne gezogener Splitter und zusätzliche Dive Planes für Abtrieb. Am Heck setzt sich das Thema mit Diffusor und einem geradezu gewaltigen Flügel fort.
Der fällt derart groß aus, dass Gunther Werks sogar auf die klassische Heckscheibe verzichtet. Stattdessen sitzt dort eine spezielle Konstruktion, die unter anderem das Aerodynamikpaket stabilisiert.
Form follows function – konsequenter lässt sich dieses Prinzip bei einem Straßen-993 wohl kaum umsetzen.
1.082 Kilogramm statt Komfort
Noch interessanter wird es beim Gewicht. Schon die regulären Umbauten von Gunther Werks sind alles andere als schwer. Beim GXR-EVO wurden gegenüber den bisherigen Coupé-Modellen trotzdem noch einmal rund 95 Kilogramm eingespart.
Am Ende bleiben lediglich 1.082 Kilogramm Trockengewicht übrig. Angesichts von 455 PS, die im Heck arbeiten, kann sich das durchaus sehen lassen.
Der Antrieb: Luftgekühlt und freisaugend
Hinter der Hinterachse arbeitet ein von Rothsport aufgebauter 4,0-Liter-Sechszylinder-Boxer. Auf Turbolader verzichtet Gunther Werks bewusst. Der luftgekühlte Saugmotor leistet rund 455 PS und dürfte vor allem durch sein unmittelbares Ansprechverhalten zum Charakter des Autos passen. Dazu kommt eine Schieberdrosselanlage. Frischluft wird über Ansaugöffnungen zugeführt, die in den Bereich der hinteren Seitenscheiben integriert sind. Geschaltet wird natürlich von Hand. Zum Einsatz kommt ein massiv überarbeitetes G50-Sechsganggetriebe aus der 993-Generation.
Doppelquerlenker, Rennbremsen und Magnesiumräder
Vorne arbeitet eine Doppelquerlenkerachse. Dazu kommen dreifach verstellbare RZ-Stoßdämpfer mit externen Ausgleichsbehältern. Solche Lösungen werden nicht verbaut, damit der Weg zum Supermarkt etwas komfortabler wird. Sie ermöglichen vielmehr eine gezielte Abstimmung des Fahrzeugs für unterschiedliche Strecken und Bedingungen.
Gebremst wird mit einer Brembo-Pista-Anlage an Vorder- und Hinterachse. Leichte Magnesiumräder mit Zentralverschluss reduzieren gleichzeitig die ungefederten und rotierenden Massen. Und selbige noch besser wechseln zu können, wurde kurzerhand ein pneumatisches Liftsystem verbaut.
Das Cockpit macht keine Gefangenen
Wer anschließend die Tür öffnet und einen liebevoll restaurierten 993-Innenraum mit Leder, klassischen Instrumenten und ein wenig modernem Infotainment erwartet, dürfte überrascht sein.
Auch innen ist der GXR-EVO ein Rennwagen. Der Fahrer sitzt in einem Racetech-Sitz aus Carbon-Kevlar und wird von einem Sechspunktgurt festgehalten. Rundherum zieht sich ein Achtpunkt-Überrollkäfig durch den Innenraum. Motec-Displays liefern die notwendigen Informationen.
Damit nicht genug: Gunther Werks installiert eine elektronische Feuerlöschanlage von OMP und sogar ein Helmkühlsystem.
Selbst der klassische Innenspiegel musste dem kompromisslosen Konzept weichen. Wegen der eingeschränkten Sicht nach hinten übernimmt eine Kamera in Verbindung mit einem elektronischen Rückspiegel dessen Aufgabe.
Zu Hause kann schon trainiert werden
Gunther Werks liefert außerdem ein Zubehör mit, das die Ausrichtung des GXR-EVO vielleicht besser beschreibt als jedes technische Datenblatt: einen eigenen Rennsimulator. Dieser gehört zu jedem Fahrzeug und wird aus Aluminium und Carbon gefertigt. Selbst das Lenkrad orientiert sich am realen Auto.
Entscheidend ist jedoch die Software. Gunther Werks zufolge wurde das virtuelle Fahrzeug so entwickelt, dass sein Fahrverhalten möglichst genau dem echten GXR-EVO entspricht.
Der Besitzer kann also zu Hause trainieren, bevor es mit dem echten Auto auf die Strecke geht. Viel eindeutiger kann ein Hersteller kaum zeigen, wofür sein Fahrzeug gedacht ist.
Ein Rennwagen, der zufällig ein Restomod ist
Und genau das macht den GXR-EVO interessant. Die Ausgangsbasis mag ein Porsche 993 sein, doch die klassische Restomod-Idee spielt hier nur noch eine Nebenrolle.
Normalerweise geht es bei solchen Projekten darum, den Charakter eines alten Autos zu bewahren und gleichzeitig dessen Schwächen mit moderner Technik zu beseitigen. Mehr Leistung, bessere Bremsen, modernes Fahrwerk, etwas Carbon und ein hochwertiger Innenraum – fertig ist der moderne Klassiker.
Gunther Werks dreht diese Idee beim GXR-EVO praktisch um.
Hier steht nicht mehr der Klassiker im Mittelpunkt, sondern die Rundenzeit. Der 993 liefert lediglich Architektur, Grundidee und den luftgekühlten Boxer. Darauf baut Gunther Werks ein Auto auf, dessen Aerodynamik, Fahrwerk, Bremsen, Gewicht und Cockpit konsequent auf den Rennstreckeneinsatz ausgerichtet sind.
Eigentlich viel zu schade für die Straße
Natürlich lässt sich der GXR-EVO auch auf einer schönen Passstraße bewegen. Und vermutlich wird genau das spektakulär sein. Doch um das Potenzial dieses Autos tatsächlich auszuschöpfen, braucht es keine kurvige Landstraße, sondern Curbs, Auslaufzonen und eine lange Start-Ziel-Gerade.























